Die Rivalität zwischen dem Norden und dem Süden Londons ist ein alter Hut. Nord Londoner bezeichnen den Süden als „kulturelle Einöde ohne öffentlichen Personennahverkehr“. Süd Londoner parieren mit den „Intellektuellen von Islington“ und „der EINEN Tube-Station in ganz Hackney“. Angeblich haben die Fahrer der berühmten schwarzen Taxis sich früher geweigert, die Themse gen Süden zu überqueren.

Seit der Eröffnung der Galerie Tate Modern im alten Bankside-Kraftwerk ist das Southbank genannte Südufer der Themse nicht mehr wiederzuerkennen: Überall entstehen unabhängige Kunstgalerien wie White Cube und der Borough Market ist ein beliebtes Ziel für Foodies aus aller Welt.

Bermondsey Beer Mile

Einst war hier im Südosten Londons nicht mehr als ein loser Verband sechs unabhängiger Brauereien in den Brückenbögen unter einer Bahnlinie. Als ein Foodblogger den Begriff „Bermondsey Beer Mile“ prägte, explodierte auf einmal das Interesse. Auf knapp 2,5 Kilometern erstrecken sich nun Brauereien, Schänken, Lager voller Fässer, dazwischen Lebensmittelerzeuger und -importeure. Und das alles keinen Steinwurf vom Maltby Street Market, einer kleineren Version des Borough Market, entfernt.

Fest auf der touristischen Landkarte verankert befinden sich hier zu viele Schänken, als dass wir jede einzeln nennen könnten, daher folgt eine Auswahl:

BBNo

Brew by Numbers ist eines der sechs Urgesteine. Das unverkennbare monochrome Branding und die Bögen der Schänke werden von Holzpanelen optisch aufgelockert. Das entspannte Barpersonal bietet auch dann noch freundlich Kostproben an, wenn es am Samstagabend bereits um 19 Uhr brechend voll ist. Mit dem 05 IPA kann man nichts falsch machen.

Anspach and Hobday

Dieses Mitglied der ursprünglichen Sechs betreibt aktuell eine Crowdfunding-Kampagne, um die Produktion zu erweitern und die beliebte Schänke zu vergrößern. Probieren Sie „London ESB 5.5% ABV“ vom Fass: malzige Süße im Glas.

Moor

Angesehene Brauerei aus Bristol, die seit einem Jahr hier vertreten ist. Gemischtes Publikum, entspannter Vibe. Fantastischer Käse.

Cloudwater

Die letzte Neueröffnung. Diese Brauerei aus Manchester im Norden Englands ist sich ihrer Sache so sicher, dass es kein Schild über dem Eingang gibt. Spärliches, sorgfältig entworfenes Interieur mit jungem Publikum, stellen Sie sich auf Wartezeiten ein.

Hackney Wick

Auch in dem im Nordosten von London gelegenen Hackney sind etliche Tränken hinzugekommen; drei davon gar nur wenige Minuten zu Fuß vom Bahnhof Hackney Wick entfernt.

Howling Hops

Am Anfang ein Standort unter „The Cock Tavern“ in der Mare Street in Hackney, heute die „erste spezialisierte Tank Bar des Landes“. Eine Wand silbern glänzender Behälter mit je einer Zahl, die Beschreibung dazu wurde mit Kreide an die Tafel geschrieben. Industrie-Charme, lange Tische und Bänke, aber angenehme Atmosphäre. Und das frisch gezapfte Bier ist unschlagbar. „Tropical Deluxe Pale Ale 3.8% ABV“ geht mit am besten.

Crate

Nur einen Steinwurf weiter in „The White Building“ hat man einen tollen Blick über den Fluss Lea. Hier fließen eigene Biere sowie Gastbiere, dazu gibt es hausgemachte Pizza aus dem Steinofen. Wer hier seinen Sonntagsbraten genießt, kann Kajakfahrern, Graffiti-Künstlern, Joggern, Radlern und Hundehaltern in Action zuschauen.

Beer Merchants Tap

Im zweiten Jahr nach der Erweiterung des etablierten Geschäfts um eine Schänke bietet sich hier eine enorme Auswahl importierter Flaschenbiere und ein kleiner Außenbereich, wo Harley Dogs unglaubliche Burger braten.

Wie steht es also um die Trennung von Nord und Süd London? Schnee von gestern! Heute gibt es freundliche Rivalität und auf beiden Seiten der Themse tolles Bier in toller Atmosphäre. Wer Bier liebt, sollte sich beide Ecken anschauen, aber keinesfalls auf einen Rutsch. Suchen Sie sich ein paar interessante Brauereien aus, bleiben Sie in der Gegend, lassen Sie Raum für Spontaneität und genießen Sie einfach. Schließlich können Sie jederzeit wiederkommen.

Autor: Jaine Organ

Fotos: Jaine Organ, PrintsByPablo at Etsy UK