Autorin: Jaine Organ

Madeira wandelt sich gerade vom verschlafenen Außenposten Portugals im Atlantik zum attraktiven Ziel für junge Abenteurer, die in den Bergen und an der wilden Küste Trailrunning, Radfahren und Surfen genießen wollen. Und natürlich lässt da auch das Craft Bier nicht lange auf sich warten.

Madeira wartet mit einer vielseitigen und wandelbaren Auswahl alkoholischer Getränke auf. Der Namensgeber der Insel, ein reichhaltiger, süßer Likörwein, mauserte sich vom trägen Dessert-Trunk zum hippen Bar-Getränk. Poncha à Pescador, ein Zuckerrohr-Rum, den die Fischer früher mit Honig und Zitrone gemischt zur Erkältungsabwehr tranken, wird auf der ganzen Insel mit einer Auswahl exotischer Fruchtsäfte serviert, Passionsfrucht ist dabei besonders beliebt. Wer Bier wollte, musste sich meist mit Coral Lager begnügen, das seit 1969 auf der Insel gebraut wird und heute in der Hand von Heineken ist. Drei junge Unternehmer wollen das aber ändern! 

Vilhoa, ein kleiner Craft Bier-Laden in der Hauptstadt Funchal, wurde 2016 von Diogo Abreu, Eduardi Lucas und André Loja gegründet, weil ihnen der Sinn nach etwas anderem als diesem einen Lager stand. Da sie nicht länger überteuertes Craft Bier online bestellen wollten, gründeten sie ein Unternehmen zum Import von Craft Bieren und handwerklich hergestellten Bieren vom portugiesischen Festland. Heute beliefern sie damit die Bars und Restaurants der Insel. Diogo erklärt uns, wie sich das Unternehmen entwickelte. „Uns war aufgefallen, dass wir nicht die einzigen waren, die neue Geschmacksrichtungen ausprobieren wollten. Wir begannen also damit, einige der besten Craft Biere Portugals zu vertreiben. Das Feedback war umwerfend.“

Drei Jahre später wächst das Unternehmen zwar weiter, ist aber immer noch ein kleines Projekt. Der Vertriebsaspekt gewann an Bedeutung, Vilhoa wurde zum Biermissionar Madeiras und braut inzwischen ständig neue Rezepten und tolle Bier-Events. Diogo fährt fort: „Es ist nicht leicht, da Madeira von einer kleinen, aber sehr starken Industriemarke dominiert wird. Bevor es Vilhoa gab, war die Bierauswahl schlechter. Wir glauben, dass es jedes Jahr besser wird. Unser Schwerpunkt liegt auf portugiesischen Marken, aber andere Länder sind natürlich auch immer spannend.“

Neben dem Import zahlreicher Bierstile aus ganz Portugal gab es eine Kollaboration mit zwei unabhängigen Brauereien, die Biere hervorbrachte, welche den unverkennbaren Charakter Madeiras tragen. Mit Blick auf den Klassiker Poncha entstand in Zusammenarbeit mit Dois Corvos aus Lissabon IPA à Pescador (5.8 %), ein IPA mit intensiven Zitrusnoten. Gemeinsam mit LETRA in Vila Verde entwickelten sie Rebendita, ein IPA mit Fruchtmilchshake, das neben Laktose auch reichlich Passionsfrucht aus Madeira enthält (6 %).

Wer diese köstlichen Biere probieren möchte, kommt nach Fugacidade, einem der Kunden des Unternehmens, der vielen als die beste Craft Bier-Bar der Insel gilt. Die winzige Bar ist voller Einheimischer und Touristen, die sich von der Küste aus hierher verirrt haben. Der Kühlschrank ist gefüllt mit interessanten Dosen und Flaschen, es gibt sechs Fassbiere. Die Reise lohnt sich. Das Schankbier ist frisch und lebendig, gepflegt und hat die 970 km lange Reise über den Atlantik bestens überstanden.

Bildmaterial: Vilhao und Jaine Organ