Autorin: Malin Norman

Argentinien ist nicht nur reich an natürlichen Ressourcen, sondern auch an Craft Bier und meint es auch bei der Hopfenproduktion ernst. Hier erzählen zwei Braumeister aus dem Land von ihrem grünen Gold.

Die Hopfenproduktion konzentriert sich in Argentinien auf El Bolsón in Patagonien. Und kein Braumeister, der etwas auf sich hält, lässt sich das jährlich zur Erntezeit im Februar stattfindende „National Hops Festival“ entgehen. Es werden hauptsächlich Cascade und Nugget angebaut, das sind aber bei weitem nicht die einzigen.

Das Geschmacksprofil des argentinischen Cascade unterscheidet sich leicht vom amerikanischen; auf der Südhalbkugel sind pinke Grapefruit, Kräuter, Pfeffer und Gewürze ausgeprägter. Außerdem eignet er sich besonders gut für Weizenbiere, Blonde Ales und Cream Ales. Und Nuggets, auch als Super-Alpha bekannt, besticht durch reichlich Kräuter, florale Noten und etwas Minze.

Ramiro Rodríguez Etchelet, Chefbrauer bei Gorilla Brewing in Buenos Aires, glaubt daran, dass in diesem Segment noch viele Entwicklungen anstehen. „Die Hopfenbauern verstehen, dass neue Varianten mit mehr ätherischen Ölen, fruchtigen Geschmacksrichtungen und Aromen gewünscht werden“, sagt er. „Außerdem produzieren sie Victoria, Bullion und Mapuche sowie weitere experimentelle Varianten, die in Zukunft auftauchen werden.“

Bei Gorilla Brewing wird für Golden Ale, American Amber Ale und Nitro Choco Stout sowie ein neues Produkt aus dem vergangenen Jahr lokaler Hopfen verwendet. „2018 haben wir New Argentina IPA (NAIPA) gebraut. Das ist ein New England IPA aus Bullion und Victoria, zwei superfruchtigen Hopfensorten aus Patagonien. Das Bier ist toll.”

Matias Conca ist Brauer, Bierpublizist und Bierjuror in einer weiteren Hochburg des Bieres, Mar del Plata. Er bestätigt die Qualität des argentinischen Hopfens: gute Erträge, viele ätherische Öle und Alphasäuren. Deswegen setzt er den Hopfen gezielt zu Beginn des Kochvorgangs für den bitteren Geschmack und zur Aromabildung bei einen Stilen ein. „Die große Herausforderung in Argentinien ist jedoch die Technologie nach der Ernte“, sagt Matias. „Trocknen und Pelletieren dauern lange, die Blüten verlieren an Qualität und oxidieren schnell. Der argentinische Hopfen braucht jetzt Investitionsspritzen und technologischen Fortschritt.“

Neben den traditionellen Hopfenbauern in El Blosón tauchen vielversprechende neue Produzenten auf. Einer davon ist das spannende Hopfenprojekt Lupulos Vulcan, das vor einigen Jahren in Mar del Plata gegründet wurde.

Aber Hopfen ist nicht alles. Auch Hefe geht gut. Beide Brauer erklären, dass es spezielle Hefe-Forschungszentren und -Projekte gäbe. Aktuell arbeiten die meisten Hersteller noch mit Trockenhefe und ernten 3 bis 4 Mal im Jahr. Es gibt jedoch auch einige Projekte mit Flüssighefe. „Wir arbeiten mit White Labs zusammen an einem Bier, das mit Flüssighefe fermentiert wird, und parallel dazu an einem mit Trockenhefe. So können wir die Endprodukte vergleichen“, bestätigt Ramiro von Gorilla Brewing. „In den kommenden Monaten werden wir außerdem auch ein Bier mit einem norwegischen Kveik-Stamm brauen. Und für die Zukunft planen wir ein Sauerbierprogramm mit verschiedenen Kulturen wilder Hefe und Bakterien.“