Autorin: Jaine Organ

Die britische Rockband Marillion erkannte 1997 die Kraft des Crowdfunding: Mit E-Mails an ihre Fans sammelten Sie gut 40.000 britische Pfund und finanzierten so ihre US-Tournee. Der Begriff existierte damals zwar noch, kurz darauf entstanden jedoch zahlreiche Crowdfunding-Websites. Das 2011 gegründete Crowdcube ist unter Craft Brauereien in Großbritannien die beliebteste Plattform. Allerdings misslangen jedoch einige Unternehmungen sehr öffentlich. Ist die Blase endgültig geplatzt?

Bei den meisten Programmen erhalten die Investoren einen Anteil, die Plattform behält normalerweise eine Gebühr in Höhe von 5 bis 7 Prozent der Spenden. BrewDog und Camden Town Brewery konnten als erste Brauereien große Beträge crowdfunden; bei BrewDog waren es alleine bei der aktuellen, fünften Equity for Punks-Kampagne über 25 Mio. britische Pfund. Camden Town Brewery sammelte vor dem Verkauf an AB InBev im Jahr 2015 noch 2,75 Mio. britische Pfund.

Was sind Vorteile und Risiken?

Meist geht es schneller, die Prüfungen fallen weniger streng aus. Banken und Kapitalanleger wollen einen soliden Business-Plan und prognostizierte Renditen. Crowdfunder dagegen kaufen die Zugehörigkeit zur Bier-Community. Das Pitch für Equity for Punks von BrewDog richtet sich an „Gleichgesinnte“, die eine Gelegenheit suchen, „sich am Unternehmen zu beteiligen und im Gegenzug ein paar bierige Vorteile“ zu erhalten.

Aber das ist nicht ohne Risiko, wie Regierungsbehörden wie die britische  „Financial Conduct Authority“ betonen: „Aufgrund der möglichen Kapitalverluste schätzen wir besonders das investmentbasierte Crowdfunding als sehr riskante Aktivität ein.“ Laut Matt Cooper, dem COO von Crowdcube „handelt es sich bei den meisten Unternehmen um Early Adopters der Technologie, die ihre Finanzen häufig bei Online-Banken wie Monzo führen. Die Vorstellung, dass diese Unternehmen sich mit dem Chef der lokalen Bank treffen, ist überholt.“

Einige Bier-Insider äußerten ihre Bedenken über diesen Mangel an Expertise. Justin Hawke, der Gründer von Moor Beer in Bristol, sagte der britischen Zeitung „The Guardian“, dass Crowdfunding eine „meist unregulierte Investitiongsmöglichkeit für Leute ist, denen eine Bank nichts geben würde, da sie kein solides Geschäftsmodell haben. Die Chancen sind toll, aber so kommen auch Leute auf den Markt, die weder die Fähigkeiten noch den Geschäftssinn haben, um erfolgreich zu sein.

Hopstuff sammelte im Februar 2018 734.000 britische Pfund. Im Juli 2019 meldeten sie Insolvenz an. Redchurch meldete im Mai 2019 kurz nach der zweiten Crowdfunding-Aktion Insolvenz an. Beide Brauereien wurden inzwischen verkauft, die Investoren haben ihr Geld verloren. Trotz des kritisierten „Mangels an Empathie mit den Investoren“ sind die Brauereien Northern Monk in Leeds und Verdant in Südwest-England weiterhin vom Crowdfunding überzeugt, sie sammelten kürzlich jeweils über 1 Mio. britische Pfund.

Neil aus Leeds ist Ende 20 und gehörte zu den ersten Investoren bei BrewDog. „2011 war ich in der ersten BrewDog-Bar in Aberdeen. Damals gab es so etwas praktisch gar nicht, sondern nur die guten alten Pubs mit tollem Ale vom Fass. Mich hat interessiert, was sie machen: gute Biere brauen und die Pubs wiederbeleben. In den ersten paar Jahren lag der ROI bei über 35 %, seitdem hat er sich bei 10 bis 12 % eingependelt. Ich habe an die Investition geglaubt, habe aber auch nicht so viel investiert, dass mir ein Fehlschlag wehgetan hätte. Ich hätte definitiv auch in Northern Monk investiert, wenn mein Geld nicht momentan anderweitig gebunden wäre.“

Bildmaterial: Jaine Organ