Autor: Malin Norman
Fotos: Malin Norman, Turismo Asturias, GijonOnline.org, Sidra Trabanco

Asturien ist einer der verborgenen Schätze Spaniens: Die ehemalige Bergbauregion zieht sich entlang der Nordküste des Landes. Einheimische schätzen hier besonders die üppig grünen Landschaften, die fantastische Küche und den durchweg köstlichen Cidre. Selbst eingefleischte Bierliebhaber müssen zugeben, dass der Cidre in Asturien etwas sehr besonderes ist.

Asturien ist der größte Cidre-Produzent Spaniens, knapp 80 % der Herstellung entfallen laut der Organisation „Sidra de Asturias“ auf die Region. Damit ist sie der viertgrößte Cidre-Produzent Europas. Das Klima im „Naturparadies Spaniens“ ist nicht ganz so warm und sonnig wie im Süden, aber genau das macht es perfekt für die Apfelplantagen.

Hier hat der Cidre eine lange, stolze Tradition. In den traditionellen, natürlichen Cidre kommen nur die 22 genehmigten und lokal angebauten Cidre-Äpfel. Nach der Ernte und Verarbeitung – Sortieren, Mahlen und Pressen – wird der Apfelsaft in Fässern aus Kastanienholz oder Edelstahl circa sechs Monate lang fermentiert. Dabei arbeitet die natürliche Hefe der Äpfel, Obstgärten und Cidre-Häuser. Daraus entsteht ein köstlich erfrischender, ungefilterter Cidre mit rund 6 %, dessen spritziger Bauernhof-Charme an Sommerbiere erinnert. Außerdem passt er wunderbar zur lokalen Küche.

Eine Lebensart

Aber beim Cidre geht es um weit mehr als um fermentierten Apfelsaft, in Asturien ist er eine Gesellschaftsform. Gemeinsam mit Freunden und Familie löst man in der sidrería die großen und kleine Probleme der Welt: Politik, Fußball, Nachbars Katze. Cidre wird in Flaschen bestellt und vom escanciador, dem Ausschenker, serviert. Dieser hebt die Flasche am ausgestreckten Arm hoch über den Kopf und gießt einen kleinen Schluck in das auf Hüfthöhe gehaltene Glas. So kann der Cidre atmen und die Aromen entfalten sich. Jeder Gast wird einzeln bedient und anders als in der Craft Beer-Kultur wird hier nicht geschwenkt, gerochen oder gekostet. Das Glas muss in einem Zug geleert werden, nicht schlückchenweise!

Wer mehr erfahren möchte, informiert sich im Cidre Museum in Nava über die Verfahren und Traditionen bei der Herstellung des Getränks. Ein weiteres Symbol der Cidre-Kultur ist das Monument aus Cidre-Flaschen in Gijón, der größten Stadt der Region. Dieser árbol de la sidra – der Cidre-Baum – entstand 2013 aus circa 3.000 Cidre-Flaschen und soll das Recycling fördert. Der Baum wiegt fast acht Tonnen, was wohl dem jährlichen Glasverbrauch von einhundert Familien entspricht.

Die Hauptattraktion ist jedoch zweifelsohne das Natural Cider Festival, das meist in der letzten Augustwoche in Gijón stattfindet. Hier kann man Cidre-Keller, einen Cidre- und Apfelmarkt, kulinarische Verkostungen, Kurse zum Einschenken von Cidre und vieles mehr besuchen. Einer der Höhepunkte ist der Wettbewerb im Cidre-Einschenken. In Gijón möchte man jedes Jahr einen neuen Weltrekord aufstellen: Tausende von Menschen versammeln sich dazu auf der Poniente-Brücke; im vergangenen Jahr schenkten 9.580 Menschen gleichzeitig Cidre ein. Das schafft nicht jeder!

Weitere Informationen zu Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in Asturien finden Sie hier.