Autorin: Malin Norman

Mit einem Volumen von rund 139 Millionen Hektolitern ist Brasilien der drittgrößte Biermarkt weltweit. Lager ist und bleibt beliebt, aber auch andere Bierstile gewinnen zunehmend an Beliebtheit. Beim letzten World Beer Award räumte Brasilien in nicht weniger als sieben Kategorien ab. Was hat es also mit dem Bier aus Brasilien auf sich?

Um mehr über die lokale Bierszene zu erfahren, habe ich mich mit Pedro Marques, einem Food- & Bierjournalisten, unterhalten. Er lebt in São Paulo, wo das Herz der Craft Bier-Bewegung schlägt.

Kannst du die Bier-Szene in Brasilien beschreiben, was macht sie so besonders?

Craft Bier hat sich in Brasilien in den letzten Jahren in zwei Richtungen entwickelt. Erstens haben größere Brauereien, darunter auch Ambev, so genannte Craft Biere für Bars und Supermärkte auf den Markt gebracht. Die Qualität ist wirklich nichts besonderes, es ist eher eine Alternative zum normalen Bier. Aber bei den unabhängigen Brauereien sieht die Sache ganz anders aus. Hier konzentriert man sich auf Innovation, spielt mit verschiedenen Bierstilen, sucht neue Geschmackserlebnisse, vermischt lokale Zutaten mit etablierten Stile (IPA, Russian Imperial Stout) und auch neueren (New England IPA). Der Nachteil ist, dass Craft Biere teuer sind. Mit rund 10 USD für 473 ml ist der Konsum noch in einer Nische.

Auf den World Beer Awards erhielten brasilianische Brauereien, z. B. Daoravida Black Wine Rum und Barba Ruiva/Manobier Rauchbock, zahlreiche Auszeichnungen. Was macht die brasilianischen Biere so gut?

Erstens lieben die Brasilianer Bier. Es ist das am häufigsten konsumierte alkoholische Getränk des Landes. Deswegen sind die Biere meist auch gut gemacht. Die Mainstream-Biere schmecken vielleicht nicht herausragend, aber sie sind ordentlich und gut. Die ausgezeichneten Biere kommen aber aus unabhängigen Brauereien. Ich glaube, dass Kreativität der wichtigste Faktor ist. Dazu kommt Experimentierfreude und die Verwendung lokaler Zutaten. Außerdem haben diese Brauereien in den letzten Jahren in den Bereichen Produktionsqualität, Ausstattung und Zutaten enorme Fortschritte gemacht.

Wie sehen Sie die Zukunft des Bieres in Brasilien? Welche Trends gibt es?

Momentan passieren ein paar Dinge, die sich wahrscheinlich weiter fortsetzen werden, beispielsweise öffnen immer mehr Brauereien eigene Pubs. Mittelfristig sehe ich eine Marktkonsolidierung; mehr Brauereien werden von größeren Marken aufgekauft und andere werden im starken Wettbewerb verdrängt. Außerdem denke ich, dass im Norden und Nordosten des Landes weitere Brauereien eröffnen werden. Dort ist sich die Craft Bier-Szene noch in den Kinderschuhen. Brasilianische Brauereien sich jedoch immer durch Innovation und Experimentierfreude auszeichnen.

Deine 3 Top-Brauereien?
Dogma, Everbrew, Bold Brewing. Aber es gibt noch viele andere!

Deine 3 Top-Bierbars?

Empório Alto dos Pinheiros in São Paulo, Templo da Cerveja in Curitiba und Bier Markt Vom Fass in Porto Alegre.

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