Autorin: Jaine Organ

Der Legende nach hat Peter der Große während eines Inkognito-Besuchs in England im 18. Jahrhundert das Porter entdeckt, was für viele Marktarbeiter Londons die Erfrischung der Wahl war. Da – ähnlich wie beim IPA – das Getränk auf der langen Reise an den Russischen Zarenhof verdarb, wurde im zweiten Anlauf der Alkoholgehalt erhöht. Das daraus resultierende vollmundige, beinahe schwarze, malzige Gebräu war ein voller Erfolg und wurde unter dem Namen Russian Imperial Stout bekannt.

Ein Mangel an Zutaten ließ das dunkle Bier zu Sowjetzeiten fast verschwinden, heute aber arbeiten russische Craft Brauereien an einem Revival. Paul Spencer, Chefbrauer bei der Brauerei Ossett  in Yorkshire im Norden Englands, ist regelmäßig in Russland zu Besuch. Ich habe mit ihm über Imperial Stout und die aktuelle Craft Bier-Szene in St. Petersburg gesprochen.

Gibt es eine bestimmte Ecke in St. Petersburg, in der die Craft Bier-Bars entstehen?

Die meisten Bars befinden sich nördlich des Newski-Prospekt zwischen den U-Bahn-Stationen Majakovskaja und Tschernyschewskaja und können problemlos erlaufen werden. Wir waren an einem Nachmittag ganz entspannt in Beer Geek, Jawspot, Redrum, Beer Diet, Kiosk und im Cafe Bakunin.

Wie werden die lokalen Biere serviert, vom Fass, in Flaschen, Dosen? Oder gibt es eine Mischung aus lokal und Import?

Hauptsächlich russische Biere, aber auch viele belgische, deutsche, amerikanische und britische. Die lokalen Biere sind (meist) genauso gut und die Einheimischen trinken sie gerne. Ich habe mich an die lokalen Biere gehalten. Viele Fässer, ein paar Flaschen, Dosen sind aber scheinbar sehr beliebt. Im Cafe Bakunin gibt es eine Handpumpe für britische Fassbiere.

Wie sind die Bars, eher gemütlich oder eher industriell?

Eine Mischung, aber meist eher industriell. Beer Geek ist ein Keller, alles andere als toll eingerichtet, aber die Bierauswahl ist super. Der Kiosk ist eine helle, moderne Bar mit Getränkeladen. Redrum ist ziemlich trendy. Die könnten genauso gut auch alle in London, Leeds oder Manchester sein. Überall findet man freundliche Mitarbeiter, die Englisch sprechen. Die Preise sind mit Großbritannien vergleichbar oder vielleicht auch etwas niedriger. 

Wird Essen serviert?

Kaum, aber Rockets und Bishops am Gribojedow-Kanal machen tolle Burger. Im AF Taproom wird Streetfood serviert, das sich durchaus mit dem in Großbritannien messen kann.

Ich habe bisher nur von AF Brew gehört, kannst du andere russische Craft Brauereien empfehlen?

AF mag ich am liebsten, die Schänke dort ist toll. Man muss mit dem Bus in ein gruseliges, abgewracktes Industriegebiet fahren, das lohnt sich aber allemal! Bakunin, Jaws, Zagovor und Victory Art Brew haben mir auch sehr gut gefallen. Saldens hat interessante Biere (Tomaten-Gose), manche sind hervorragend, manche aber auch nicht. 

Und welche Bierstile gibt es, spielt Imperial Stout noch eine Rolle?

DDH, Imerial Stouts, Sours, Biere im belgischen Stil: alle sind gängig und alle sind hervorragend. Wir haben Kaviar-Bier getrunken, das wie Fischfutter geschmeckt hat. Außerdem gab es ein Bier, das wie ein ganzes englisches Frühstück schmecken sollte. Das Sour mit Minze- und Calamansi-Geschmack im Redrum war fantastisch.

Ist die russische Szene mit der in Großbritannien vergleichbar, wo neben dem klassischen Imperial auch starke Stouts mit Geschmacksnoten wie Vanille oder Kokosnuss gebraut werden?

Ganz genau. AF macht ein hervorragendes Imperial Stout mit Popcorn-Geschmack, Popcorn Pimp 11 %. Das Ivan Stout von Victory Art ist ein klassisches Imperial Stout mit 13 %. Ich bin mit tausenden Ideen nach Hause zurückgekehrt.

Bildmaterial: Paul Spencer